Heute, am 4. Januar 2010, begehen wir den 50. Todestag von Albert Camus.
Ich verehre ihn, den Jungen, der in seinem ersten Lebensjahr den Vater im Krieg verlor wie ich, der Armut und Hunger verspürte wie ich.
Ich verehre ihn, weil er das armselige Stadtviertel, in dem er aufwuchs, nicht nur als hässlich und heiß empfand, sondern auch als ein Meer im Licht. Darin könnte sich am Morgen der Welt die Erde erhoben haben, schreibt er.
Ich verehre den Raufbold und den Fußballspieler, der unter seinem Spitznamen Tiefflieger dem Ball nachjagte. Tiefflieger deshalb, weil er ziemlich klein geraten war.
Ausschließlich im Sport, sagt er, habe er seine moralische Erziehung erhalten. Dies ist der einzige Punkt, in dem wir nicht seelenverwandt sind, aber, dass er später die Devise von René Char teilte ‘Freiheit, Ungleichheit, Brüderlichkeit!’ , das verbindet mich mein Leben lang mit ihm.
Gott sei Dank erkannte sein Grundschullehrer seine Begabung und seine Intelligenz und brachte ihn auf die philosophische Bahn. Diesem Lehrer schrieb er nach der Verleihung des Nobelpreises einen Dankesbrief. Darin ist zu lesen: Ohne Sie, ohne ihre liebevolle Hand, die Sie dem armen kleinen Kind, das ich war, gereicht haben, ohne Ihre Unterweisung und Ihr Beispiel wäre nichts von alledem geschehen.
Aber noch bevor er die Schule abschließen konnte, begann er Blut zu spucken.
Tuberkulose.
Er wollte es zuerst nicht wahrhaben, aber die Wahrheit ließ sich nicht verbergen. Die tödliche Krankheit bedrohte sein Leben ständig.
Er schwankt zwischen den Berufen des Lehrers und des Journalisten, bis ihn der Zweite Weltkrieg zum gefürchteten journalistischen Widerstandskämpfer gegen die Nazis macht und der Roman ‘Der Fremde’ 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation wird.
Als ihm 1957 der Nobelpreis für Literatur verliehen wird, ihm, dem Jungen aus dem Armenviertel Algiers, ist er noch keine 50 Jahre alt.
Am 4. Januar 1960 stirbt er in einem Auto, das ins Schleudern kam und mit der Beifahrerseite, wo er saß, an einen Baum prallte. Er war sofort tot, so sagen es die Medien.
Ich verehre ihn, weil er in allem, was er geschrieben hat, unseren menschlichen Stärken und unseren Schwächen gleichzeitig eine Stimme gegeben hat.
Ich verehre ihn, weil sein gesamtes Werk lehrt, dass die Absurdität unseres menschlichen Lebens nur durch Solidarität, Sorge um das Glück der Mitmenschen und Opferbereitschaft erträglich wird.